Interview mit Ewald Pfleger Foto von Christian Jungwirth

Wer an Opus denkt, denkt unweigerlich an "Live is Life", der sich zum Gassenhauer auf nahezu allen Kontinenten entwickelt hat. Ewald Pfleger schrieb das Lied und veröffentlicht anlässlich des 70. Geburtstags seine Autobiografie.

Den Durchbruch schaffte Opus bereits mit ihrem zweiten Album und ihren Singles-Hits "Flyin' High" und dem Titel-Song "Eleven". Nach ihrem vierten Studio-Album entschloss sich die Band erstmals ein Live-Album zu veröffentlichen, "Live is Life" inklusive. Ein Lied, dass das Leben der Bandmitglieder ziemlich veränderte. Ewald Pfleger, Gründungsmitglied von Opus, schrieb den Großteil der Opus-Hits, so auch "Live is Life". Der Gitarrist feiert im Mai 2025 seinen 70. Geburtstag, und da "Live is Life" seinen Siegeszug vor 40 Jahren antrat, hielt Ewald Pfleger die ganzen Erinnerungen daran in seiner Autobiografie "Live is Life – Mein Leben mit einem Welthit" (Ueberreuter Verlag; 2025) fest. Mit Manfred Horak traf sich Ewald Pfleger im Wiener Café Museum zwischen Schinkenfleckerln und Kaffee.

Interview mit Ewald Pfleger

 

Interview mit Ewald Pfleger Buchcover Live is Life

Kulturwoche.at: Es gibt diesen Film "Ist das Leben nicht schön? (Originaltitel: It’s a Wonderful Life)" von Frank Capra. Im Film erfährt der Protagonist George Bailey, wie seine Heimatstadt aussehen würde, wenn er nie geboren worden wäre. Hast du dir einmal überlegt, wie sich dein Leben ohne "Live is Life" entwickelt hätte?

Ewald Pfleger (lacht): Nein, habe ich noch nie.

Die Autobiografie würde sich jedenfalls ganz anders schreiben…

Ewald Pfleger: Ja, da hätte ich einen anderen Titel verwenden müssen, aber vermutlich hätte ich dann auch gar keine Autobiografie geschrieben, weil im Großen und Ganzen stehen da Geschichten drinnen, die mit dem Lied "Live is Life" in Verbindung stehen. Mit Opus hatten wir einen Hit angestrebt, der weit über die Grenzen hinausreicht. Glücklicherweise ist uns das gelungen. Ob ich tatsächlich Lehrer geworden wäre, weil ich an der Uni Wien studiert habe, weiß ich nicht, könnte sein. Darüber habe ich noch keinen Gedanken verwendet.

Wenn man deine Autobiografie liest, wird schnell klar, dass du ein Herzblutmusiker seit jungen Jahren bist. Müde bist du nie geworden?

Ewald Pfleger: Mich fragen Leute immer, welchen Rat ich jungen Musikerinnen und Musikern geben kann. Mein Bestreben war immer Musik zu machen, und ich brenne für Musik. Wir haben bereits vor "Live is Life" Erfolge gehabt, und das hat dazu geführt, dass es irgendwann eben "Live is Life" gegeben hat. Wir haben zu unserem elften Geburtstag jenes Live-Album aufgenommen, auf dem "Live is Life" drauf ist. Also, ich sag einmal, wenn man für etwas brennt und voll dahinter ist, und zwar nicht nur selber, sondern auch versucht, seine Umgebung da mit einzubeziehen, dann kann was passieren, muss aber nicht, das ist logisch, aber es ist eine der Voraussetzungen, dass etwas passiert.

Du hast sehr viele Lieder geschrieben, sonst gäbe es ja auch nicht diesen imposanten Opus-Katalog. Fiel es dir immer leicht und fällt es dir weiterhin leicht, Lieder zu schreiben, und wie ist deine Vorgehensweise, dass du bestimmst, wann ein Lied gut genug ist, um es der Öffentlichkeit zu präsentieren?

Ewald Pfleger: Sobald ich ein Instrument in die Hand nehme oder am Klavier sitze, fällt mir sofort was ein, was ich aufnehmen kann. Wenn ich Zeit habe, verwende ich es gleich, um einen Slogan zu finden, der diese Melodie dann bezeichnet.

Und von diesem Slogan aus hantelst du dich dann durch zu einem Text?

Ewald Pfleger: Ja.

Ist das Texte schreiben schwieriger als eine Melodie zu finden?

Ewald Pfleger: Ja, kann man schon sagen, weil ja der Text zur Melodie entscheidend ist, ob was hängenbleiben kann. Diese Symbiose ergibt dann etwas, was den Leuten gefallen könnte, oder was sogar unter die Haut geht oder berührt. Deswegen ist das Zusammenspiel von Melodie und Text sehr, sehr wichtig.

Opus gibt es weiterhin, in der Kombination mit den Schick Sisters. Ist diese Zusammenarbeit für einen längeren Zeitraum geplant, quasi bis auf weiteres?

Ewald Pfleger: Ich denke, dass unsere Zusammenarbeit weiter gehen wird. Wir haben 2025 einige Open-Airs, im Happel-Stadion mit Seiler & Speer, in der Burg Clam, auf der Donaubühne Tulln und im Südburgenland. Wir haben tolle Auftritte mit den Schwestern, und wir genießen es. Es ist eine musikalische Einheit geworden, es passt sehr gut und es wird noch einiges geben.

Interview mit Ewald Pfleger Opus Bandfoto Privatarchiv Ewald Pfleger

Wenn es die Rolling Stones nicht gäbe, könnte man ja fast schon sagen, dass Opus eine der dienstältesten Rockbands ist. Du schreibst im Buch recht ausführlich darüber, dennoch gefragt: Wie habt ihr es geschafft, so lange Zeit zusammenzubleiben?

Ewald Pfleger: Ich glaube, es hat damit zu tun, dass wir aus dem südlichen Burgenland kommen und uns in der Steiermark ansiedelten. Wir haben immer freundschaftlich zusammengearbeitet und ein wichtiger Faktor ist sicherlich, dass wir uns unsere Musiktantiemen geteilt haben, sodass jeder bei jedem Song – und das ist natürlich bei "Live is Life" auch der Fall – mitverdient. Dadurch ist unsere Freundschaft und unsere Verbindung geblieben. Oft trennen sich Bands deswegen, weil nur ein Komponist in der Band das große Geld verdient. Am Anfang hat das ja keiner gewusst, dass die Tantiemen so viel mehr wert sind als die Verkaufslizenzen. In Amerika war das immer anders. In Amerika haben die Musikerinnen und Musiker immer davon gelebt, dass die Plattenfirmen Millionen Vorschüsse ausgezahlt haben und dann natürlich rückverrechnet. Tantiemen hingegen spielen in Amerika nicht so eine große Rolle, weil es nur Privatradios und Privatfernsehen gibt. Und die zahlen keine Tantiemen, beziehungsweise viel zu wenig.

Gegen Ende des Buches schreibst du auch über euren Vertrag mit Budde Music bezüglich Tantiemen und Lizenzen. Wann hast du begonnen, dich damit seriös auseinanderzusetzen, erst mit dem Erfolg von "Live is Life"?

Ewald Pfleger: Die Initialzündung war, wie wir 1986 in Cannes bei der Midem [weltgrößte Musikmesse; Anm.] als Newcomer des Jahres gefeiert worden sind. Da habe ich mitbekommen, wie wichtig das ist und habe dann Kontakte gesucht und später mit Budde Music hat das total gefruchtet, weil die einfach eine kleine Firma sind. Wir haben davor schon große Kooperationen mit Universal Music und mit Sony, aber das hat eigentlich nichts gebracht, weil diese Firmen haben so viele im Katalog, dass sie sich auf nichts wirklich konzentrieren können. Bei Budde ist das anders: Alphaville ["Forever Young"; Anm.] und Opus mit "Live is Life" sind die zwei gefragtesten Titel, die sie im Verlag haben, und dadurch haben wir den Vorteil, dass das Netzwerk von Budde weltweit auf diese Songs zugreift. "Live is Life" hat anscheinend eine Message, die viele erreicht.

Hat dich dieser Erfolg erstaunt?

Ewald Pfleger: Ja, sicher. Wir haben uns nie Gedanken gemacht, wenn wir mal einen internationalen Hit haben, dass dieser Erfolg über 40 Jahre lang anhält und erfolgreich bleibt. Durch Streaming und Internet ist "Live is Life" nicht zu stoppen. Das lustige ist, dass "Live is Life" als Hit im Fußballstadion geboren wurde. Durch Maradona wird das Lied in vielen, vielen Fußballstadien noch lange ein Thema bleiben. [Diego Maradona wärmte sich vor dem UEFA-Cup-Halbfinale Bayern München gegen SSC Neapel 1989 auf, als das Lied über die Stadionlautsprecher gespielt wurde. Dabei bewegte sich Maradona im Rhythmus, den Ball jonglierend. Das Video geht bis heute dank YouTube und TikTok um die Welt; Anm.]

Deine Autobiografie kommt nicht sehr sentimental rüber. Wie verhält es sich mit dir und Sentimentalität?

Interview mit Ewald Pfleger 2025 Pressefoto Christian JungwirthEwald Pfleger: Ich bin eher der Typ, der in die Zukunft schaut und sich mit der Vergangenheit nicht so sehr beschäftigt. Durch das Buch bin ich natürlich tief eingetaucht und habe im Studio alte Fotos und Zeitungsartikel ausgebreitet. Dadurch, dass ich immer die Anlaufstelle von Opus war, ist das alles immer bei mir gelandet und aus dem Grund habe ich auch viele Details im Kopf von all dem Archivmaterial. Es hat mir gefallen, beim Buchschreiben in meine Vergangenheit einzutauchen. Es war ein tolles Erlebnis, aber natürlich ist im beruflichen der Blick immer nur nach vorne gerichtet.

Das Buch zu schreiben, war für dich eine neue Erfahrung. Wie bist du herangegangen, welche Anekdoten reinkommen und welche nicht?

Ewald Pfleger: Der Verlag hat gesagt, dass es nicht zu umfangreich werden soll. An einige Anekdoten kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Die meisten sind aber drinnen. Das Buch zu schreiben, fiel mir recht leicht. Ich habe Kapitelweise geschrieben und anfangs gar nicht chronologisch, sondern bin in den Zeiten herumgesprungen. Dadurch, dass es von den Anfängen bis in die Jetztzeit geht, war es letzten Endes einfacher, es in chronologische Form zu bringen.

Gab es davor nie ein Bestreben, ein Buchautor zu werden?

Ewald Pfleger: Nein, weil für mich die Musik immer vor dem Text steht. Die Melodie ist bei der Komposition des Liedes zuerst da und dann versuche ich Worte zu finden, die gemeinsam mit der Melodie einfach hängen bleiben. Sobald ein Text zu flach ist, wird es uninteressant und zu viel Information kann man aber auch nicht bieten bei einem Songtext, denn ich bin ja ein Pop-Song-Schreiber und nicht viel mehr. Das ist ein bestimmtes Genre, und das ist meine Stärke. Ein Buch zu schreiben, wollte ich eigentlich nie. Die Autobiografie hat sich durch den runden Geburtstag ergeben und durch die vielen Erlebnisse.

Dennoch sind die Opus-Texte ja nicht flach, es gibt genug Texte mit Gesellschaftskritik, etc. …

Ewald Pfleger: Das stimmt. Wir sind schon sehr bewusst lebende Typen, die sich um die Tagespolitik genauso kümmern.

Es gibt unzählige Cover-Versionen von "Live is Life" – von A Capella bis Blasmusik, von Rock bis Dance, von Avantgarde bis Latin-Pop. Welche gefällt dir am besten?

Ewald Pfleger: Sehr gut gefällt mir die Cover-Version bzw. Interpolation von der US-Sängerin Sofia Carson unter dem Titel "Love is the Name" mit unserer Refrain-Melodie und einem eigenen Versmusikalischen Teil. //

Text und Interview: Manfred Horak
Fotos: Christian Jungwirth, Privatarchiv Ewald Pfleger

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